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  Holzleichtlehm


 


Kurzbeschreibung

  Aufgrund der wesentlich besseren Verarbeitungsmöglichkeit wird in den letzten Jahren zunehmend Holzleichtlehm statt Strohleichtlehm verwendet. Holzleichtlehm ist eine Mischung aus ca. 1/3 Holzhackschnitzeln und 1/3 fettem Baulehm, die in einem gebräuchlichen Betonmischer zusammen gemischt werden. Holzhackschnitzel können auch teilweise ersetzt werden durch Hobelspäne oder Sägemehl. Die Mischung hat dem Strohleichtlehm vergleichbare Eigenschaften.

Technische Daten:
Gewicht (Dichte) 800 - 950 [Kg/m³]
Wärmedurchlaßwiderstand 0,25 - 0,35 [W/mK]

 

 

 

     
     

  Anwendungsgebiete:
  • Ausfachungen von Holzständerbauten
  • Füllung in Holzbalkendecken
  • nachträgliche Innendämmung im Bestand
     
 

Zusammensetzung

Ca. zwei Drittel Holzhackschnitzel und ein Drittel fetter Baulehm (Bindekraft 140 - 200 g/cm² nach Niemeyer), rindenhaltige Hack-schnitzel möglichst vermeiden, sonst Zugabe von ca. 30 % Borax im Anmachwasser.
Hackschnitzel aus Knickholzpflege oder von Sägewerken. Es ist günstiger die Hackschnitzel aus der holzverarbeitenden Industrie zu beziehen, da sie dann rindenfrei und trocken sind. Allerdings dürfen sie nicht verunreinigt sein, was bei größeren Werken in der Regel auch nicht der Fall ist.
Der Lehm klebt die Holzteile zusammen, die damit eine ähnliche Funktion haben wie das Mineralgerüst beim Massivlehm, d.h. ihre Größen sollen unterschiedlich und ähnlich einer Sieblinie verteilt sein. Übliche Abmessungen der Hackschnitzel sind 4/4/2 cm, bei größeren Wanddicken sind auch kleine Aststücke und Holzscheite sinnvoll, Lufteinschlüsse sind begrenzt erwünscht. Es muß wie bei allen Leichtlehmkonstruktionen auf die Winddichtigkeit geachtet werden.
Im Gegensatz zu Strohleichtlehm lassen sich mit Holzleichtlehm jedoch nur Raumdichten von 600-1200 kg/m³ herstellen. Leichtere Mischungen sind nicht möglich. Holz allein hat eine Rohdichte von ca. 600 kg/m³ und gestampfter Lehm ca. 2000 kg/ m³.
Um eine Mischung von 600 kg/m³ herzustellen, müssen viele Hohlräume in der Mischung enthalten sein. Mischungen um 800 kg/m³ haben sich in der Praxis bewährt.


     
 

Verarbeitung

Fetter Baulehm aus der Grube oder als vorgefertigte Sackware wird im Freifallmischer oder in der Rührtonne zu einer dickflüssigen Brühe gemischt (zum Zerschlagen des Grubenlehms können einige faustgroße Steine in den Mischer getan werden) und mit trockenen Holz-hackschnitzeln (möglichst rindenfrei) im bauüblichen Trommelmischer zu einer schüttfähigen, erdfeuchten Masse verarbeitet. Probe: Der Lehmanteil soll zwar möglichst gering sein, es soll sich jedoch eine faustgroße Kugel formen lassen, die nicht auseinander fällt.
Einbringen in die vorbereitete Schalung. Stampfen wie bei Strohleichtlehm ist nicht nötig, jedoch mit Stochern und leichtem Stampfen ist auf eine gute Verfüllung besonders in Ecken zu achten. Transport mit Eimern, Karren, Kübelwagen, Schüttbomben. Einarbeitungszeiten sind gering, allgemeine Baustellenerfahrungen aus Kalkulation und technologischen Abläufen sind gut zu verwenden.
     
 

Historische Vorläufer

Balkenköpfe wurden früher im Mauerwerk aus gebrannten Steinen mit Lehm umhüllt. Holz, Stroh, Heidekraut werden von trockenem Lehm über Jahrhunderte konserviert. Das beobachtet jeder, der in alten Häusern arbeitet. Lehm hat eine Gleichgewichtsfeuchte von 4,5% und hält das umschlossene Holz so trocken, daß es für die Schädlinge uninteressant bleibt.
     

Konstruktionen:

   
Die Kosten werden hauptsächlich durch zwei Faktoren bestimmt: das tragende Holzskelett und die Schalung. Möglich sind verlorene Schalung und Wanderschalung. Bei verlorener Schalung gibt es drei Möglichkeiten, alle jeweils wie die Wanderschalungen auf Leitergerüst:


  • Holzwolleleichtbauplatten, wegen der eingeschränkten Austrock-nung nur einseitig empfehlenswert
  • Leisten 2/2 cm im Abstand von 2 cm, event. konisch geschnitten, Unterputz sollte stark armiert sein
  • aufgerollte, dünne Schilfrohrmatten, Zwischenlatten im Abstand von 50 cm

Alle drei sind wie der reine Holzleichtlehm gute Putzuntergründe.
     

Kosten:

   
Die Preise für die Rohmaterialien sind gering, allerdings sind die Transportkosten zu berücksichtigen.
Grubenlehm   ab 20,- €/m³
Hackschnitzel   10,- bis 20,- €/m³
Fertigmischung ab Werk   100,- bis 170,- €/m³
Handwerkerleistung ohne Schalung   200,- bis 350,- €/m³
     
 

Eignung

    Bei der problematischen Innendämmung von Fachwerk und Sichtmauerwerk ist Holzleichtlehm besonders bei Bauvorhaben mit angeleiteter Selbsthilfe zur Verarbeitung in den Sommermonaten sehr zu empfehlen. Er verbindet eine mittlere Wärmedämmung mit guter Wärmespeicherung. Bauphysikalische Probleme treten in der Regel nicht auf.
     
 

Trocknung

    Feuchter Einbau bei beidseitig guter Trocknung bis Dicken von 30 cm. Bei einseitiger Trocknung (Innendämmung) bis 20 cm Dicke bei gut saugenden Untergründen, bzw. bis 15 cm Dicke bei schlecht saugenden. Auch im Sommer ist mit Trocknungszeiten von ein bis zwei Monaten zu rechnen, gute Lüftung vorausgesetzt.
     
 

Ökologischer Nutzen

    Die ökologischen und baubiologischen Vorteile des Baustoffs Lehm bleiben voll erhalten. Der Energieverbrauch ist abhängig vom Transport und Lehmaufbereitung und ist mit 5 - 15 kWh/m³ gegenüber anderen Baustoffen sehr günstig. Holzleichtlehm kann wiederverwendet oder kompostiert werden. Die notwendigen Holzkonstruktionen sollten nach Möglichkeiten geschraubt und nicht genagelt werden, um spätere Umbauten oder Demontage zu erleichtern.
     

Ausblick

   
Wie allgemein im Lehmbau fehlt es auch hier an Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es fehlen Untersuchungen zu:


  • den technischen Daten, vor allem zur Wärmeleitfähigkeit
  • Verbesserung der "Kornverteilung" der Zuschlagsstoffe
  • Verflüssigerzugabe, um Anmachwasser und Trockenzeiten zu sparen
  • Entwicklung von Mischungen, um z.B. Leichtlehmsteine herzustellen
  • Mischungen, die zum Pumpen und Spritzen geeigneter sind.

    Autor: Burkard Rüger
     
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