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    LEHMPUTZE UND PUTZE AUF LEHM

 


"Die höchste Kunst besteht in der Kultivierung einer dauerhaften und schönen Oberfläche für die Lehmwand"
,


schreibt M. Speidel in arch+ Nr. 80. Der Titel seines Artikels "Vom Armeleutehaus zur Kaiservilla" veranschaulicht, wie in Japan über das Putzen gesprochen wird, und das Zitat erwähnt zwei hervorragende Vorteile von Putz: Dauerhaftigkeit und Schönheit.


Für die Dauerhaftigkeit einer Putzoberfläche sind drei wichtige Eigenschaften verantwortlich: eine ausgezeichnete Haftung des Putzes auf dem Untergrund, eine gute Verbindung der Putzschichten untereinander und schließlich das richtige Mischungsverhältnis von Sand und Lehm, damit eine abriebfeste und rissfreie Oberfläche entsteht, die überstrichen werden kann. Im Außenbereich ist zusätzlich eine witterungsbeständige Oberfläche erforderlich, die auch thermische Spannungen infolge unterschiedlicher Sonneneinstrahlung auszugleichen vermag.


Die Kultivierung einer schönen Oberfläche ist natürlich kulturell geprägt und vom persönlichen Geschmack bedingt. Eine Oberfläche eröffnet viele Möglichkeiten - von der Strukturierung über plastisches Gestalten, Stuck und Sgraffitotechnik bis hin zu Feinputzen mit verschiedenen Zusätzen und Glanzputzen.


Für ein gutes Raumklima sorgt die Fähigkeit von Lehm(putz), Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen und wieder abzugeben, und seine Eigenschaft, Feuchtigkeit in Form von Wasser und Wasserdampf zu transportieren. Allerdings kann noch keine eindeutige Aussage darüber gemacht werden, in welchem Umfang ein 1-2 cm starker Lehmputz auf beliebigen anderen Untergründen raumklimatische Verbesserungen bewirkt.


   

Putzaufbau und Putztechnik


Lehmputze können je nach Untergrund und gewünschter Dicke ein- oder zweilagig aufgebracht werden. Putze von mehr als 1 cm Dicke werden besser in mehreren Lagen aufgebracht, oder es kann Ziegelmehl oder -splitt zugesetzt werden. Unterputz ist immer faserstoffhaltig. Er wird kräftig angeworfen und mit der Kartätsche abgezogen. Zur besseren Verankerung des Feinputzes wird er obendrein waagerecht oder diagonal fein gerillt. Feinputz wird am besten nach dem Trocknen auf den wiederum vorgenässten Unterputz aufgebracht. Er kann angeworfen oder mit der Glättkelle aufgezogen werden. Allgemein werden Lehmputze wie Kalkputze verarbeitet: angeworfen, aufgezogen, mit der Kartätsche abgezogen, gerieben. Zudem nutzt man dieselben Werkzeuge: Kelle, Glättkelle, Aufziehblech, Kartätsche, Reibebrett, Quast, Schwammbrett, Wasserwaage, Richtscheit. So wird eine glatte Fläche wie bei Kalk- oder Weißputz erzielt. Ist eine plastischere Fläche gewünscht, wird die Oberfläche mit dem Schwammbrett, dem Quast (Rapputz) oder mit den Händen bearbeitet.

Sofern Lehmputze feinfaserige Anteile wie Haare oder Flachsschäben aufweisen, lassen sie sich mit einer Putzmaschine aufbringen. Bei der Verwendung von Strohhäcksel wird dessen Länge von der eingesetzten Maschine bestimmt. Weiterhin eignen sich Zuschläge von Sägemehl, Altpapierflocken oder feinkörnigem Blähton (1-4 mm). Es darf nur auf Bauteilen geputzt werden, die so durchgetrocknet sind, daß nicht mehr mit Setzungen zu rechnen ist. Erfolgt später ein Anstrich mit Kalkfarbe, kann in den noch feuchten Putz Kalkmilch eingerieben oder am folgenden Tag auf den noch feuchten, aber schon festen Putz mit dem Quast aufgestrichen werden.

Vorstehende Kanten sind beim Lehmputz gefährdeter als bei herkömmlichen Putzen. Bei Fensterleibungen reicht es zumeist schon, sie abgerundet zu verputzen. Bei Kanten, die in den Raum hineinstehen - z.B. Ecken und Türleibungen - empfehlen sich schützende Ziegel, Holzprofile oder Putzschienen. Stoßen Putzflächen an Holz, wie es im Fachwerk oft der Fall ist, sollte der Putz direkt an der Kante eingeschnitten werden, weil er sonst wegen der Bewegung des Holzes unregelmäßig einreißen würde. Dieser Kellenschnitt, Sollriß genannt, muß auch an der Kante zwischen Decke und Wand erfolgen.

   

Putzuntergründe

   

Bei der Beurteilung von Putzuntergründen sind zwei Aspekte wichtig: Zum einen bindet Lehm im Gegensatz zu Kalk nicht chemisch ab, sondern erhärtet durch Austrocknen. Der Putz klebt also an der Wand, weshalb jeder Untergrund zur guten Haftung rauh sein muß, auch ein Lehmuntergrund. Zum anderen ziehen verschiedene Untergründe unterschiedlich schnell Wasser aus der Putzmasse. Folglich ist zu beachten, daß der Putz zur Weiterbearbeitung bereits etwas "angezogen" ist, d.h., etwas fester ist als beim Anwurf. Untergründe, die so schnell ziehen wie Ziegelmauerwerk, müssen vorgenässt werden, während wenig ziehende Untergründe - z.B. Schilfrohrmatten oder Holzwolleleichtbauplatten - in jedem Fall 2-lagigen Putz erfordern.

Putzen auf unterschiedlichen Untergründen: Grundsätzlich sollen Untergründe aus verschiedenen Materialien einen Unterputz erhalten, um für den Feinputz eine einheitlich ziehende Basis zu erhalten. Labile Stellen im Untergrund können vollflächig mit grobmaschiger Jute überspannt werden, die in den Unterputz eingedrückt, eventuell zusätzlich mit Lehmschlämme überstrichen werden.


   

Lehmputz auf verschiedenen Untergründen


Je nach Putzuntergrund ergeben sich unterschiedliche Verarbeitungsweisen, die in der untenstehenden Tabelle zusammengefaßt sind:

Putzuntergrund Verarbeitungsweise
Mauerwerk aus Lehmsteinen: Das Mauerwerk wird angenässt; 1-lagiger Putz ist möglich.
Mauerwerk aus Grünlingen: Grünlinge sind ungebrannte Ziegel aus der hochverdichtenden Strangpresse. Die Lagefugen werden schräg, ca. 1 cm, ausgeschnitten und die Steinfläche zusätzlich mit einem Nagelbrett diagonal eingeritzt. Da Grünlinge durch Quellen und Schwinden Risse im Putz verursachen, ist 2-lagiger Putz notwendig. In seltenen Fällen passierte es, daß sich der Unterputz erst beim Auftragen des Feinputzes vom Untergrund löste. Eine vollflächige Gewebeeinlage ist möglich, aber nicht grundsätzlich nötig.
Lehmbrote: Nach den Arbeitsgängen Löchern und Annässen empfiehlt es sich, wegen der unterschiedlichen Dicke 2-lagigen Putz aufzubringen.
Lehmbewurf auf Weidengeflecht: Zunächst heißt es, Rillen zu ziehen oder Löchern. 1-lagiger Putz ist möglich, wenn der Untergrund so glatt abgezogen wurde, daß der Putz eine annähernd gleiche Dicke erhält.
Stampflehm: Dieser Untergrund läßt sich im feuchten Zustand mit dem Nageleisen aufrauhen; er sollte angenässt werden.
Leichtlehmwände: Sie werden nicht angenässt. Der Auftrag erfolgt als 2-lagiger Putz mit faserhaltigem Unterputz, Holzteile sind mit Putzträgern zu überspannen; auf Dachlatten reicht in den Putz eingedrücktes Jutegewebe.
Mauerwerk aus gebrannten Steinen (Klinker ausgenommen): Zunächst erfolgt ein gründliches Annässen, dann das Einstreichen mit Lehmschlämme; 1-lagiger Putz ist möglich. Ist das Mauerwerk nicht genügend getrocknet oder die Putzschicht zu dünn, kann sich der Fugenverlauf abzeichnen. Dies gilt auch für Mauerwerk aus anderen Steinarten.
Wärmedämmsteine: Porenhochlochziegel wie Unipor sind als Untergrund gut geeignet, so daß nach dem Annässen, 1-lagiger Putz möglich ist.
Kalksand-, Naturstein, Beton, Klinker: Diese Materialien sind als Putzgrund für Lehmputz sehr glatt. Im Zweifelsfall sollte ein Spritzbewurf aus einem Teil hochhydraulischem Kalk und vier Teilen Estrichkies aufgebracht werden. Kalk, auch als Oberputz, ist häufig geeigneter.
Schilfrohrmatten und Holzwolleleichtbauplatten: Schilfrohrplatten müssen, HWL-Platten können mit Lehmschlämme eingestrichen werden. Notwendig ist ein 2-lagiger Putz. Es genügt, den faserreichen Unterputz nur mit der Kartätsche abzuziehen, dann läßt man ihn trocknen. Plattenstöße sind sorgfältig mit 10 cm breiten, grobmaschigen Jutestreifen zu überspannen.
Holzteile in der Wand: Es ist ratsam, Holzteile stets mit einem Putzträger zu überspannen. Gut eignen sich 70stenglige Rohrmatten; schmale Hölzer lassen sich mit Jute überspannen. Die Putzträger sollten an beiden Seiten 5 cm überstehen und werden in den Putz eingedrückt.
Gipskartonplatten: Sie sind ein Trockenbaustoff, insofern nicht zum Überputzen entwickelt. Aus ästhetischen Gründen kann ein sehr dünner Spachtelputz aufgebracht werden. Außer bei Fermacell-Platten ist eine Grundierung aus Kontaktgrund notwendig. In jedem Fall müssen die Plattenstöße mit Gewebeeinlage verspachtelt sein. Es kann auch vollflächig Jute geklebt werden. Raumklimatisch sind keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten.
OSB-Platten: Die Platten müssen vollflächig mit einem Putzträger überspannt werden. Am besten geeignet sind Schilfrohrmatten. 2-lagiger Putz ist nötig.
Weichfaserplatten: Inzwischen sind überputzbare Holzweichfaserplatten auf dem Markt. Allerdings fehlen Langzeiterfahrungen, ob der dazu angebotene Systemputz ohne weiteres durch Lehmputz ersetzt werden kann.

Bei allen Leichtbaukonstruktionen besteht die Gefahr, daß Bewegungen im Untergrund zu Rißbildungen im Putz führen. Die Platten müssen stabil an der Unterkonstruktion befestigt sein.

   

Putzmischungen


Lehmputze bestehen aus mageren Lehmen, denn fetterer Lehm ist zwar stabiler, reißt jedoch wegen seines starken Schwindverhaltens. Rißbildung läßt sich also durch Abmagern zu fetten Lehms mit Sand verhindern.
Um das richtige Verhältnis der Lehm-Sand-Mischung herauszufinden, ist es anfangs günstig, gleichzeitig mehrere Proben mit unterschiedlicher Abmagerung herzustellen (Lehm : Sand wie 2:1, 1:1, 1:2 usw.) und diese zu vergleichen. Dann wird auf einen trockenen gebrannten, nicht zu rauhen Ziegelstein zur Hälfte eine 2 cm dicke Putzschicht aufgebracht und der Stein senkrecht gestellt, die geputzte Hälfte nach oben. Nach zwei bis drei Tagen sind nach dem Austrocknen folgende Resultate möglich:


  1. Der Lehm hat sich als Ganzes von der Platte gelöst: Mischung zu fett.
  2. Der Lehm klebt fest am Stein, hat aber Risse: als Unterputz geeignet, als Feinputz Sand zugeben.
  3. Der Lehm haftet fest und hat keine Risse: Mischung brauchbar.
  4. Der Lehm löst sich in kleinen Teilen ab, wenn der Stein kräftig aufgestoßen wird: Mischung zu mager.



Nach dieser Probe empfiehlt es sich, eine 1-2 m2 große Probefläche anzulegen. Die Putzmasse muß eine ähnliche Konsistenz haben wie Kalkputz, denn die Mischung soll beim Anwerfen gut von der Kelle gehen. Fällt die Mischung schon vorher herunter, ist sie zu mager, verschiebt sich der Lehm beim Reiben nur schwer, ist er zu fett. Risse im zu fetten Lehm zeigen sich schon nach einem oder zwei Tagen. Extrem fette Mischungen sind daran zu erkennen, daß sich die Risse nach außen wölben, weil sich die Putzschicht vom Untergrund abhebt.

Zugaben von Faserstoffen als Armierung geben der Masse eine höhere Zugfestigkeit beim Austrocknen, verhindern zugleich die Rißbildung und erhöhen die Stoßfestigkeit des Putzes. Mögliche Faserstoffe sind: Stroh- und Heuhäcksel (gut abgelagert, keinesfalls frisch), Flachs- und Hanfschäben, Kaff, Sisal, Kokosfasern, Tierhaare, Lärchen- und Kiefernnadeln.

Als hilfreiche Hinweise gelten:
Zum Abmagern für Unterputz ist Estrichsand 0-4 mm geeignet, für Feinputz Sand 0-2 mm, auch ein Zusatz von Sägemehl. Unterputz kann fetter und faserhaltiger sein als Feinputz. Feine Risse sind von Vorteil. Deckenputz sollte ebenfalls etwas fetter und faserhaltiger sein, allerdings nicht so fett, daß er reißt. Feinputzmischungen bestehen nur aus Lehm und Sand oder enthalten zusätzlich feine Fasern (z.B. Flachsschäben oder Tierhaare). Letzteres empfiehlt sich in Bereichen, die erhöhte Elastizität erfordern (z.B. Decken, Dachschrägen). Grobkörnige Lehme müssen gesiebt werden (Maschenweite 5-6 mm). Außenputze sollten als Zusatz 10-15 Vol.-% Kuhdung erhalten, denn dessen Kasein- und Ammoniakverbindungen erhöhen die Wasserabweisung, der hohe Feinfaseranteil die Festigkeit.

   

Techniken für den Lehmaußenputz


Die im allgemeinen so wertvolle Eigenschaft des Lehms zu zerfallen und durch Wasser immer wieder weich zu werden, führt im Außenbereich dazu, daß er auswäscht. Soll Lehmputz außen verwendet werden, sind folgende Hinweise zu beachten, damit der Putz nicht allzu häufig gepflegt oder erneuert werden muß:
Zum konstruktiven Wetterschutz gegen schlechtes Wetter braucht das Lehmhaus "Hut und Stiefel" - einen wasserfesten Sockelbereich von 30-50 cm Höhe und ausreichenden Dachüberstand mit funktionierender Dachentwässerung. Die Hauptwetterseite sollte durch Kalkputz, Holzverschalung, eine Vorsatzschale aus gebrannten Steinen o.ä. geschützt werden. Putz wird durch Zusätze wasserabweisender; dafür eignet sich Kuhdung am besten. Eine Zugabe von 10-15 Vol.-% hat sich in der Praxis bewährt. Zudem ist eine Zugabe von 3-5 % Kalk-Kaseinleim zur Putzmasse möglich, der wetterfestes Kalkalbuminat bildet. Kaseinleim erhält man, indem 5 Teile Magerquark mit 1 Teil Sumpfkalk gut verrührt werden. Zusätzlichen Schutz bieten Anstriche wie Kalkfarbe mit Kaseinzusatz oder Kalkkaseinfarbe.


   

Kalkputze auf Lehm


Im Außenbereich dienen Kalkputze auf Lehm als witterungsbeständige Oberfläche. In alten Fachwerkhäusern befinden sie sich häufig auch innen auf Lehmunterputzen. Da der Kalk mit dem Lehm nicht chemisch reagiert, gilt hier ebenfalls die Regel, daß Lehmunterputz eine rauhe Oberfläche haben muß, beispielsweise waagerechte oder diagonale Rillen oder schräg nach unten verlaufende Löcher. Als Haftbrücke läßt sich in den noch feuchten Lehm eine verdünnte Kalkkaseinmilch einstreichen, für die T. Leszner folgende Rezeptur angibt: 250 g Magerquark mit einer Kelle Sumpfkalk verrühren und mit 7-8 Liter Wasser verdünnen.

In Japan wird der Übergang zwischen den unterschiedlichen Putzen dadurch verbessert, daß sowohl der Lehm- als auch der Kalkputz Faserstoffe enthält. Zwischen Lehmbauteil und Kalkoberputz werden mehrere Lagen Lehmkalkputze in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen aufgetragen, eine Tradition, die bei uns längst vergessen ist. Aus Sparsamkeitsgründen (Sparkalk) oder wegen der größeren Geschmeidigkeit enthielten historische Kalkputze oft Lehm in unterschiedlichen Volumenanteilen. Auch wurden in historischen Kalkputzen Kiesanteile bis 8 mm Durchmesser gefunden.
Weicher Kalkputz enthält: 1 Teil Sumpfkalk, 3-4 Teile Sand mit Kies - für Unterputz bis 4 mm, für Oberputz bis 2 mm - und als mögliche Zusätze Kaseinleim, Tierhaare oder Kokosfasern.
Gebrannter, gelöschter und über mehrere Jahre eingesumpfter Kalk (Sumpfkalk) hat eine bessere Qualität als das pulverförmige Kalkhydrat, das vor Gebrauch mindestens eine Nacht einsumpfen muß. Allerdings sind Sumpfkalkputze vor allem in Industriegebieten durch die hohe Schadstoffbelastung der Luft gefährdet.
Kalkputz kann zweilagig aufgebracht werden, doch muß die erste Schicht fest, aber noch feucht sein, wenn der Oberputz am darauffolgenden Tag aufgebracht wird. Bei Hitze oder Wind sollte auf keinen Fall geputzt werden. Ideal ist feuchtes Wetter, damit der Putz möglichst langsam abbindet. Wird der noch feuchte Putz mit Kalkmilch eingestrichen, ergibt sich die beste Verbindung zwischen Putz und Kalkanstrich.

Bestehen Bedenken gegen einen reinen Kalkputz, kann eine kleine Menge hochhydraulischer Kalk zugegeben werden (etwa eine Kelle pro Mischer). Unter Umständen ist Trasskalkputz möglich, der jedoch härter ist als reiner Kalkputz. Zudem lassen sich zwischen Lehm und Trasskalkputz als Putzträger beispielsweise Schilfrohrmatten anbringen. Kalkputz mit Zementzusatz eignet sich nicht für Lehmuntergründe, da er zu hart wird. Bauschäden diesen Ursprungs sind im Umkreis von Berlin besonders an Stampflehmhäusern zu sehen, die Neubauern in den fünfziger Jahren errichteten. Außerdem besteht bei jedem Zementputz die Gefahr, daß er das Holz, mit dem er in Berührung kommt, schädigt.

   

Gestaltungsmöglichkeiten mit Lehmputzen


Hierzulande wurden Lehmputze traditionell sehr funktional hergestellt, indem man sie als glatte Wandflächen mit Kalkfarben strich. So kennen wir heute Schmuck und Verzierung, plastisches Gestalten und veredelte Oberflächen fast nur noch von afrikanischen und asiatischen Kulturen, wenn man von einigen Künstlern und Handwerkern der neuen Lehmbauszene absieht. Dennoch sind vielfältige Varianten der Gestaltung möglich, die durch vom Kalkputz bekannte Techniken - wie z.B. Sgraffito - zusätzlich bereichert werden können:

Technik  
Strukturierung
der Oberfläche:
Im weichen, plastischen Zustand lassen sich alle denkbaren Strukturen und Abdrücke herstellen, etwa mit Kämmen, Gabeln oder Quasten gezogene Rillen, Abdrücke von Schwämmen, Geweben, Profilen jeder Art. Die Oberfläche kann getupft oder mit der Hand gerieben werden.
Plastisches Gestalten: Auf die feste, lederharte Oberfläche lassen sich Ornamente als "Lehmstuck" aufmodellieren. Dazu wird eine fein gesiebte Masse aus etwas fetterem Lehm geknetet. Es können wie beim Töpfern kleine Rollen geformt, aufmodelliert und dann noch einmal mit Lehmschlämme überstrichen werden. Bei Ornamenten empfiehlt es sich, das jeweilige Muster vorher mit einer Schablone vorzuzeichnen.
Sgraffito-Technik: Ein farbiger Unterputz wird aufgebracht und nach dem Trocknen mit dem Oberputz, der möglichst aus einer gesiebten Masse bestehen soll, überputzt. Nach dem Reiben wird das Grundmuster aufgezeichnet - am besten mit einer Schablone - und der Oberputz sodann mit einem Messer, einer Modellierschlinge oder einem Stuckateureisen eingeschnitten und ausgekratzt, bis die eingefärbte Putzschicht in den vorgesehen Mustern sichtbar ist.
Feinputze mit
unterschiedlichen Zusätzen:
Japanische Putzmeister stellen Flächen her, die sehr stark geglättet, jedoch nicht langweilig glatt wirken, sondern lebendig und voller feiner Nuancierungen sind, die teils durch folgende Zusätze bewirkt werden:
angerostete Eisenspäne ergeben rostrote Flecken, die sich unregelmäßig über die Fläche verteilen. Brocken aus feinem, abgebundenen Kalk übersprenkeln die Fläche mit weißen Punkten. feine, in die feuchte Oberfläche gedrückte und glattgestrichene Fasern ergeben eine interessante Struktur. aufgedrückte und wieder entfernte Blätter hinterlassen ihren Schatten, wie auch beliebige andere Dinge ihre Spuren hinterlassen können.
Farbige Feinputze: Feinputze lassen sich mit farbiger Erde oder Farbpigmenten einfärben, was in Kombination mit verschiedenfarbigen Tonen und unterschiedlichen Sanden eine breite Palette von Gestaltungen ermöglicht. Wird mit Grubenlehm gearbeitet (der fein gesiebt sein muß), bieten sich v.a. Erd- und Oxydfarben im Gelb-Rot-Bereich an, da der Grundton des Lehms häufig rötlich-ocker ist. Hingegen erzeugen Zugaben von Grün und Blau einen eher schmuddeligen Farbton. Soll in diesem Farbbereich gearbeitet werden, ist als Grundlage eine Mischung aus weißem Tonmehl und Sand oder Quarzsand geeignet. Häufig liegt das Mischungsverhältnis bei etwa 1 Teil Tonmehl zu 3 Teilen Sand, doch sollte das ausgetestet werden, da auch Tonmehle unterschiedlich fett sind.
  Wird mit Tonmehl im Gelb-Rot-Bereich gearbeitet, empfiehlt sich ein gelbes oder rotes Tonmehl als Grundmischung oder zumindest als Zugabe. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, Proben anzufertigen, um den gewünschten Farbton zu bestimmen und den ungefähren Pigmentbedarf zu ermitteln. Pigmente färben unterschiedlich intensiv, Eisenoxydrot beispielsweise sehr stark, helle Ockerpigmente eher schwach. Ist ein kräftiger Farbton gewünscht, muß ausprobiert werden, wieviel Farbpigmente eine Mischung binden kann, ohne nach dem Trocknen abzufärben.
  Vorsicht ist bei großen Flächen geboten, da ein Farbton, der auf einer kleinen Farbprobe blaß wirkt, im Gesamtraum äußerst intensiv wirken kann. Beim Farbputz für eine große Fläche ist daher bei der Mischung mit Pigmenten recht genau zu arbeiten, um einen gleichmäßigen Farbton in ausreichender Menge (z.B. durch Volumenmischung mit Eimern statt mit "halbvoller" Schaufel etc.) zu gewährleisten.
  Bei Tonmehlmischungen läßt sich die benötigte Gesamtmenge an Tonmehl und Farbpigment einsumpfen, die dann gut zu verrühren und im richtigen Verhältnis mit Sand zu vermischen ist. Ähnlich kann bei Grubenlehm mit einem Teil Lehmbrei verfahren werden. Da mit Nacharbeiten zu rechnen ist, erweist es sich als ratsam, stets einen Teil der Mischung aufzuheben. Ein gutes, also möglichst unauffälliges Nacharbeiten oder Ausbessern dürfte ohnehin recht schwierig sein, ohne original eingefärbte Mischung ist dies aber nahezu unmöglich. Deshalb ist es auch günstig, diese hochwertigen Putzarbeiten zu einem späten Zeitpunkt im Bauablauf vorzusehen, so daß Schäden durch spätere Bauarbeiten weitestgehend ausgeschlossen sind.
  Als Bezugsquellen für Pigmente kommen Künstlerbedarfshandlungen in Frage oder die Farbmühle Dr. G. Kremer, 88317 Aichstetten, Telefon: 07565/1011 und 91120, Telefax: 07565/1606. Tonmehle erhält man in Töpfereibedarfshandlungen. Inzwischen sind bei verschiedenen Anbietern auch farbige Lehmfinish-Putze als Fertigmischung erhältlich.
Glanzputz: Diese, auch Marmorputz genannte und in Japan ebenfalls sehr beliebte Technik setzt sich aus mehrschichtigen Kalkputzen zusammen, die auf Lehmuntergründen aufgebracht werden. Die Zuschlagstoffe werden von Schicht zu Schicht feiner, bis die oberste Schicht aus ein bis zwei Teilen Marmormehl, einem Teil Sumpfkalk und kalkechten Farbpigmenten besteht. Die Schichten werden naß in naß ausgeführt. Die zeitliche Abfolge ist für den Erfolg entscheidend und braucht sehr viel Erfahrung. Am Schluß wird die Fläche mit unterschiedlichen Kellen geglättet, bis der Putz einen spiegelnden Glanz zeigt.


   

Kalkanstriche


Kalkanstriche sind sehr dampfdiffusionsoffen und wasserunlöslich. Sie sind mit neuen Kalkanstrichen oft überstreichbar. Werden sie mit anderen Anstrichen versehen, dann ist oft eine Vorbehandlung nötig. Kalkanstriche sind für alle Innenbereiche geeignet, vor allen in Feuchträumen und in Räumen mit erhöhter Wasserdampfentwicklung wie Waschküchen, Küchen, Ställe etc. Wegen seiner Wetterbeständigkeit ist Kalkanstrich auch im Außenbereich anwendbar, sollte aber nicht in Industriegebieten aufgebracht werden, da er dort durch Kohlen- und Schwefelsäure zersetzt wird.

Für den Anstrichaufbau eignet sich am besten Sumpfkalk, der nach dem Löschen mindestens einige Wochen, besser ein bis zwei Jahre gesumpft sein soll. Je länger er sumpft, desto besser wird seine Qualität. Bei den Arbeiten mit Kalk ist Vorsicht geboten. Kalkspritzer wirken ätzend; Metalle, Öl- und Lackanstriche müssen abgedeckt werden.
Grundierung: Wenn nicht pur verwendet, wird der Kalkbrei mit einem der Zusätze (Kasein, Leinöl, Leim) gut vermengt und dann mit viel Wasser zu dünner Kalkfarbe (Kalkmilch) angerührt. Die Farbe muß sich gut verarbeiten lassen - ohne anzuziehen oder abzulaufen: sie muß gut "rutschen". Die richtige Mischung kann nicht mit festen Mengenverhältnissen angegeben werden; sie muß ausprobiert werden. Als Anhaltspunkt könnte dienen: 1 Teil Kalkbrei auf 2 bis 3 Teile Wasser; eher zu dünn als zu dick. Der erste Anstrich sollte in jedem Fall dünner sein als die folgenden; der Untergrund muß noch durchscheinen.

Zwischen- und Schlußanstrich: Die Farbe für diese Anstriche wird angerührt wie zuvor beschrieben. Auf die Grundierung sind mindestens zwei weitere Anstriche aufzubringen; sie werden am jeweils folgenden Tag aufgetragen. Eingeteigte Kreide oder Farbpigmente werden bei den letzten ein oder zwei Anstrichen zugesetzt.
Die Anstriche sollen möglichst bei feuchtem, kühlem Wetter ausgeführt werden, im Innenbereich möglichst nicht bei Zugluft und großer Wärme, außen nicht bei direkter Sonneneinstrahlung und trockenem Wind. Der Verbrauch beträgt 0,2 bis 0,3 Liter Kalkfarbe pro m2 und Anstrich.

   

Untergrund 


Geeignete Untergründe sind Kalk- und Lehmputz, ungeeignet sind Gipsputz, Holz, Metall, Öl-, Lack- und Binderfarben.
Beim Kalkputz wird die beste Haftung durch einen Anstrich auf frischer Putzfläche erreicht, da Putz und Farbe dann gemeinsam abbinden. Wird auf einen alten Kalkputz gestrichen, so muß dieser sehr gut angenäßt und die Kalkfarbe naß in naß mit der Kalkfarbe auftragen werden. Empfehlenswert ist einer der unten aufgeführten Zusätze.
Die Haftung eines Kalkanstrichs auf einem Lehmputz kann verbessert werden, indem in die noch feuchte letzte Putzschicht eine Mischung aus Kalk und Feinsand in Verhältnis 1:2 eingerieben wird. Es ist auch möglich, eine Grundierung nach folgendem Rezept aufzustreichen: Aus 250 g Magerquark und 1 Eßlöffel Kalk wird Kaseinleim hergestellt und dieser mit erheblich verdünnter Kalkmilch verrührt.

   

Zusätze


Alle Zusätze - ausgenommen Feinsand und Pigmente - verbessern die Abriebfestigkeit. Eiweiße aus Milchprodukten gehen mit Kalk eine wasserunlösliche Verbindung ein. Sie verbessern dadurch die Witterungsbeständigkeit, außerdem kann der Anstrich sauberer und ansetzfreier ausgeführt werden. Die folgenden Mengenangaben in Prozent beziehen sich auf den Kalkbrei.


Zusatz  
Magermilch: Aus Milchfett und Kalk entsteht Kalkseife. Zugaben von 15-30 % sind möglich.
Magerquark: Er kann vor der Zugabe zu Kaseinleim gerührt werden: 4-5 Teile Magerquark und 1 Teil Sumpfkalk. Der Leim soll direkt vor dem Ansetzen der Farbe angerührt werden, da er bei längerem Stehen geliert. Es können 10-20 % können zugesetzt werden.
Leinöl (Firnis): Es bildet sich ein fettsaurer Kalk, auch Kalkseife genannt, der porenfüllend wirkt und die Elastizität und Festigkeit des Anstriches erhöht. 0,5-1 % kann zugesetzt werden, was ca. 1 Eßlöffel pro Liter entspricht. Das Öl wird dem Kalkbrei langsam zugegeben, so daß eine Emulsion entsteht, und anschließend mit Wasser zu Kalkfarbe verdünnt. Bei Außenanstrichen wird Öl nur dem Grund- und Zwischenanstrich zugesetzt, nicht dem Endanstrich.
Schmierseife: Auch hier entsteht Kalkseife. Die Zugabe beträgt 5 %.
Leim: Zelluloseleimzugaben sind nur für Innenanstriche geeignet, da sie wasserlöslich sind. Zugesetzt werden kann bis zu 20 %. Farbenleim ist im Handel erhältlich und wird ähnlich wie Tapetenkleister angesetzt.
Quarksand oder Feinsand: vermindern die Oberflächenspannung des Anstrichs. 5-10 % können zugefügt werden, bei gleichzeitiger Zugabe von Farbpigmenten entsprechend weniger, so daß Sand und Farbe zusammen 10 % ausmachen. Da sich der Sand absetzt, muß häufiger durchgerührt werden.
Farbpigmente: Farben werden einen Tag vorher in Wasser angeteigt. Bis zu 10 % Zusatz kann vom Kalk gebunden werden. Wird ein intensiverer Farbton gewünscht, ist ein zusätzliches Bindemittel wie Kaseinleim erforderlich. Die Pigmente müssen kalkecht sein, was zum Beispiel bei Erdfarben, den meisten Oxydfarben, Ultramarinblau, Kobaltblau oder Chromoxydgrün der Fall ist.


     

 

Literatur:

   
  1. K. Gatz: Lehmbuch der Malerhandwerks, München
  2. K. Schönburg: Wandmalerei - innen und außen, Berlin 1991
  3. G. Ziesemann u.a.: Natürliche Farben, Aarau 1996

     
     
   

Putzuntergründe und Putzaufbauten

Untergrund Vorbereiten des Untergrundes Putzaufbau
Lehmbaustoffe:    
- Stampflehm, Lehm- steine, Bewurf, Lehm- brote, alte Lehmputze, Sehr glatte Flächen: aufrauhen mit Nagelbrett oder Kamm;annässen Ein- oder mehrlagig
- Grünlinge Quellfähigkeit prüfen!! Ev. einritzen(mit Nagelbrett); annässen Ein- oder zweilagig
- Lehmwände, gestapelt vollflächiges Schilfrohrgewebe zweilagig; faserhaltiger Putz, ev. mit Armierungsgewebe
- Leichtlehme kaum oder gar nicht annässen; ev. festigen mit dünnem Unterputz oder Lehmschlämme; mehrlagig; Holzteile durch Gewebe im Unterputz überspannen
- Lehmbauplatten Bei einlagigem Putz: Plattenstöße mit Gewebe überspannen EinlagigOder: zweilagiger SpachtelputzMit Gewebeeinlage
Steine:    
Vollziegel, porosierteZiegel, Kalksandsteine und andere Steine imMassivbau Annässen; Bei sehr glatten Steinen, (Klinkern oder Natursteinen): ev. Vorspritz (hochydraulischer Kalk oder Zement + Kies 2-4 mm) Ein- oder mehrlagig
Beton Bei glatten Flächen: Spritzbewurf(Kalk/Zementbasis, s.o.);

oder: Kontaktgrund
Ein- oder zweilagig (für großePutzstärken: Arbeitsprobe!!)

Einlagig, bis 4 mm
Porenbetonblöcke starkes annässen

oder: Kontaktgrund, wenn Blöcke geklebt
Ein- oder mehrlagig

Ein- /zweilagiger Spachtelputz
Strohballen Nicht annässen; ev. mit Lehmschlämme (nicht zu fett und dickflüssig) anspritzen Mehrlagig; sehr faserreicher, fetter Unterputz
Platten:    
Schilfrohrplatten Lehmschlämme - trocknen lassen;Plattenstöße überspannen oder. Zweilagig; möglichst mit Fasern;Vollflächig Gewebe im Unterputz
Holzwolleleichtbau-Platten (HWL) Nicht annässen;Stöße armieren oder: Zweilagig; möglichst mit Fasern;Vollflächig Gewebe im Unterputz
Gipskarton- und Gipsfaserplatten Spachteln/ggf. armieren (Hersteller-Info)Haftgrund + feinkörniger Zusatz Spachtelputz: - einlagig 2-3 mm;- oder zweilagig mit Gewebe
Harte Holzwerkstoff-platten (z.B. OSB) Schilfrohrmatte als PutzträgerOder: Haftgrund + feinkörniger Zusatz zweilagig; Unterputz mit Fasernzweilagiger Feinputz (5-7 mm, mit Feinfasern); Gewebeeinlage
Holzweichfaserplatte(überputzbar Aufrauhen mit dem Edelputzkratzer;Nicht annässen zweilagiger Feinputz (5-7 mm)mit Gewebeeinlage
Kalk-, Gipsputze Haftgrund + feinkörnige Zusätze Spachtelputz 2-3 mmOder: zweilagiger Feinputz(5-7 mm), mit Gewebe
  Vorspritz Kalk/Zementbasis (s.o.) zweilagig

Autorin: Irmela Fromme   >anfang des Textes>

   
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